Die neuen S-Bahnen sind Scheisse. Piep. Blink. Sprecherschnarr. Stroboleuchtfackel.

Die wollen immer was von dir, ohne daß du eigentlich was von Ihnen willst. Bring mich von A nach B. Danke. Aber Nein, Sie befinden sich hier, nächster Halt dort, Endhaltestelle noch dorter, Vorsicht Tür öffnet, achten Sie beim Ausstieg auf die Bahnsteigkante, Vorsicht Tür schliesst, Bitte verlassen Sie den Bereich der offenen Türen, damit sich diese schließen und wir unsere Fahrt fortsetzen können. Piep. Blink. Sprecherschnarr. Stroboleuchtfackel.

Der Rundumservice für Menschen die ihren Pudel in der Mikrowelle trocknen. Aber solche Leute fahren nicht S-Bahn, solche Leute fahren SUV.

Früher bin ich gerne in der Bahn gestanden und bin in mich gesunken, bin Gedanken oder Träumen nachgehangen oder hab mir einfach beim Atmen zugehört und die Auszeit genossen. Aber Nein. Bitte verlassen Sie umgehend ihren Ruhepol. Piep. Blink. Sprecherschnarr. Stroboleuchtfackel.

Ich werde auf mehreren Ebenen gleichzeitig angegriffen, Hör- und Gesichtssinn mit Informationen und Signalen penetriert, die allgemein bekannt, weitgehend irrelevant und erschreckend oft obsolet sind, ein Dauerfeuer trivialdigitaler Aufmerksamkeitsheischung. Die Hochleistungsheimfahrt als Lifestyleevent. Piep. Blink. Sprecherschnarr. Stroboleuchtfackel.

Es gibt noch Pausen, Momente trügerischer Ruhe zwischen zwei weiter auseinanderliegenden Stops, aber die lassen sich auch noch füllen, mit Informationen über das Wetter an der Endhaltestelle, Sonderangebote der Partnerbetriebe, Kunden die an dieser Haltestelle ausstiegen interessierten sich auch für folgende Produkte. Piep. Blink. Sprecherschnarr. Stroboleuchtfackel.

Aber was erwartet man in einer Zeit in der ein Telefon nicht mehr nur einfach der Kommunikation dient sondern im Gegenteil uns alle zu Teilzeitautisten macht. Da muss ein Zug natürlich auch mehr leisten als nur Fahrgäste zu befördern. Willkommen in der iBahn, einem weiteren Meilenstein in der Entselbstung des postanalogen Primaten. Piep. Blink. Sprecherschnarr. Stroboleuchtfackel.

Da bleibt mir auch nur noch das Abtauchen in den Gadgetismus, den Kopf gebeugt vor Gram ob der garstigen Tatsache, dass der Aufenthalt in der Sinnenwelt so unerträglich geworden ist, dass ich mir mit dem elektronischen Schlüssel in meiner Hand Zugang gewähre zum sicheren Hort meines Mentalkörpers.

Allerdings macht dieser Schlüssel auch von innen gleich wieder zu. Richtig zu. Zum Schutz vor Piep. Blink. Sprecherschnarr. Stroboleuchtfackel. Bitte treten Sie von den Türen zurück damit sich diese schließen und wir unsere Fahrt fortsetzen können. Scheiße, hier hätte ich rausmüssen.

 

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